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Nashville News: Eine Woche Mädchenschule

Anna Klement berichtet über das Leben an der Harpeth Hall, einer privaten Mädchenschule:

Wie kann man sich einen Schultag an einer privaten Mädchenschule vorstellen? Zickenkrieg rund um die Uhr? Haare ausreißen oder anschreien, bis man keine Stimme mehr hat?
Um ehrlich zu sein, die ersten Schultage waren der Hammer!
Es ist nicht so, dass wir nichts tun und uns nur die Haare kämmen, um mal mit ein paar Klischees aufzuräumen. Ganz im Gegenteil. In den Stunden machen alle ihre Aufgaben ohne Probleme. In Freistunden gehen wir in die Bibliothek und lesen etwas für den Unterricht oder machen Aufgaben. Wenn jemand eine Frage stellt, wird nicht gefragt, wie dumm man eigentlich sei. Wenn man nicht weiß, wo man hin muss, fragt man einfach eine vorbeilaufende Person und die hilft einem direkt weiter. Im Englischunterricht lesen wir ein Buch über zwei Jungs und können über die möglichen Gefühle der Charakter sprechen, ohne, dass jemand einen auslacht. Hier respektieren sich alle und nehmen Schule als Chance ihre Zukunft zu bestimmen.
Alle hier verstehen sich so gut und nehmen einen sofort überall mit und helfen einem. Niemand ist geschminkt oder gestylt; wahrscheinlich einer der Gründe, warum ich es hier so entspannt finde. Niemand fragt, ob er gerade gut aussieht, weil wir alle nur Mädchen sind und es niemanden kümmert. Man muss sich keine Sorgen um sein Erscheinungsbild machen.
Der Umgang mit den Lehrern ist sehr offen und herzlich. Dadurch, dass die Klassen so klein sind (höchstens 16 Personen), kann gezielter Unterricht gemacht werden und die Lehrer kennen die Schüler auch besser, was zu einer guten Arbeitsatmosphäre führt.
Es gibt eine Stunde, in der jeweils eine kleine Gruppe zu einem Lehrer geht und nur miteinander über aktuelle Dinge in ihrem Leben redet. Am Ende der Stunde wird nochmal über die eigenen Ziele in naher Zukunft geredet.
Eine Unterrichtsstunde dauert hier eine Stunde und 20 Minuten. Ich finde das viel besser so lange ein Fach zu haben, denn dann kann man erstens viel mehr machen und zweitens kann man gezielter arbeiten und zum Beispiel in Kunst sein halbes Bild fertig zeichnen. Ich muss aber auch dazu sagen, dass wir nur sieben Unterrichtsfächer insgesamt haben und nur vier pro Tag.
Durch die Uniform und ein total anderes Schulsystem mit Blöcken ist die Harmonie zwischen den Schülern richtig gut. Durch die Uniform entsteht eine Einheit. Man erkennt Mitschüler von Harpeth Hall auch nach der Schule, wenn sie die Uniform noch anhaben. Dadurch, dass es keine richtigen Klassen gibt, sondern nur Blöcke, kennen sich so viele Mädchen untereinander.
Zu Erklärung, Blöcke sind sozusagen Kurse, die über verschiedene Kassenstufen gehen. Wenn ein Freshman (9. Klasse) beispielsweise Contemporary Issues (sowas wie Politik und Wirtschaft) wählt, kommt er meistens mit Juniors (11. Klasse) in einen Kurs und so lernt sich die ganze Upper School ( 9. bis 12. Klasse) kennen.
Ob mir die Jungs in den Klassen fehlen? Nein, nicht wirklich, denn wir gehen zu Fußballspielen der MBA (private Jungsschule und Partnerschule von Harpeth Hall) und sehen dann dort genug Jungs, die wir den ganzen Tag nicht in den Klassen gesehen haben.
Mir meine eigene Klasse in Deutschland so vorzustellen, ohne Jungs, ist nicht vorstellbar, selbst wenn sie manchmal echt unmöglich sind!
Ich muss zugeben, ich war am Anfang skeptisch und wusste nicht, wie die Mädchen miteinander umgehen und ob alles gut wird, aber ich bin froh, dass die schlechten Vorstellungen nicht gestimmt haben und es besser ist, als ich mir je gedacht habe.
Ich kann allen, die das hier lesen, versichern, dass ich eine mega hammer Zeit in Harpeth Hall haben werde!

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