von Constantin Ackermann 10d

Alles begann mit der Lektüre des US-amerikanischen Science-Fiction-Bestsellers „The Martian“ von Andy Weir im Englischunterricht. Das Buch handelt von dem Astronauten Mark Watney, der nach einem Unfall auf einer Mission auf dem Mars alleine zurückgelassen wird und dort um sein Überleben kämpfen muss, sowie von den weltweiten Bemühungen um seine Rettung. Überleben konnte der Astronaut in der Basisstation nur, weil es ihm u.a. gelang Wasser herzustellen. Später im Laufe der Geschichte musste seine Crew zu seiner Rettung spontan einen explosiven Stoff herstellen. Im Chemieunterricht bei Frau Hartmann hatten wir bereits durch Experimente feststellen können, dass diese Textangaben durchaus wahrheitsgetreu sind.
Doch wie realistisch ist eine bemannte Mission zum Mars? Was muss vorher noch alles erkundet und erforscht werden? Unser Englischlehrer Herr Oppl und die Schülerin der Klasse 11d Yoshi Eschen, ehemals Praktikantin bei der ESOC, organisierten für unsere Klasse 10 d eine Führung durch das im Jahr 1967 gegründete European Space Operations Centre ESOC, das europäische Raumflugkontrollzentrum, im Europaviertel von Darmstadt am 20. Februar 2018.
Die ESOC ist das Operations- und Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation European Space Agency ESA und beschäftigt derzeit knapp 900 Mitarbeiter. Sie hat ein weltweites Netz von neun eigenen Bodenstationen mit 15 bis 35 Meter hohen Antennen. Die ESOC ist für den Betrieb sämtlicher ESA-Satelliten verantwortlich und hat bisher knapp 80 Satelliten betreut. Bei der Rosetta-Kometenmission gelang vor einigen Jahren die spektakuläre Landung eines Mini-Labors auf dem Kometen “Tschuri“.
Unsere Führung durch die ESOC-Einrichtungen umfasste neben der Besichtigung des Zwillingmodells der Kometen-Sonde Rosetta und einiger Roboterfahrzeuge insbesondere auch den Besuch des Hauptkontrollraums, das Herzstück von „Europas Tor zum Weltraum“. Direkt nach der Trennung des Satelliten von der Trägerrakete wird dessen Steuerung von hier aus übernommen. Es werden alle Manöver durchgeführt, die den Satelliten in seine endgültige Umlaufbahn bringen. Sobald der Satellit seine Routineflugbahn erreicht hat, wird die Kontrolle dann von einem der anderen missionsspezifischen Kontrollräume übernommen, in die wir auch einen Blick werfen konnten. Hier wird die Flugbahn des Satelliten ständig überprüft und wenn nötig auch Korrekturen in der Fluglage vorgenommen.
Im Orbit existieren inzwischen rund 4500 zivile und militärische Satelliten, davon sind 1500 in Betrieb. Die Anzahl der Satelliten im All steigt stetig an. Dies gilt aber auch für den Weltraumschrott, neben ausgedienten Satelliten sind dies auch Raketenreste und Millionen kleinerer Trümmerteile. Mit Satellitensimulationen, ähnlich der Flugsimulatoren für Flugzeugpiloten, werden Notfälle geübt. Hierfür wurde eine spezielle Simulations- und Steuerungssoftware entwickelt. Ein Simulationsofficer, der ins Datensystem ab und an erfundene Störungen eingibt, würde eine Wahl zum beliebtesten Mitarbeiter vermutlich nicht gewinnen, hält die Verantwortlichen aber ständig in Bereitschaft.
Exzellent betreut wurde die Klasse durch den ehemaligen Missionsleiter Herrn Michael McKay, der uns viele Details zu seinen Missionen schilderte. Auch die Zukunftspläne der Raumfahrt wurden ausführlich besprochen. Natürlich durfte hier auch der Name Elon Musk nicht fehlen. Der Chef von Tesla und SpaceX, zwei der fortschrittlichsten Unternehmen unserer Zeit, ist ein Visionär, allerdings mit dem Anspruch, seine Zukunftsideen schnell umzusetzen. So plant er u.a. Fernreisen auf der Erde mit seinen neuen Raketen. Jeder Punkt der Erde könnte dann in unter einer Stunde erreicht werden.
Musks spektakulärstes Ziel ist aber die Besiedlung des Mars. Die Menschheit soll zu einer multiplanetaren Spezies werden und den Mars kolonialisieren. Und Musks Ziele müssen nicht Vision bleiben, auch wenn seine eigenen Zeitvorgaben sehr ehrgeizig sind. Auch die ESA will mit einem Satelliten auf dem Mars landen. Die Mission ist für das Jahr 2020 geplant.